Der nächste große Werbekanal entsteht
Während Google und Meta seit Jahren den digitalen Werbemarkt dominieren, zeichnet sich ein neuer Kanal ab, der das Potenzial hat, die Art und Weise zu verändern, wie Unternehmen Kunden erreichen: ChatGPT Ads.
Mit der Einführung des ChatGPT Ads Managers betritt OpenAI den Werbemarkt und eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, Anzeigen direkt innerhalb von KI-gestützten Konversationen zu platzieren. Damit entsteht erstmals ein Werbeumfeld, das nicht auf Suchergebnissen, Social Feeds oder Display-Netzwerken basiert, sondern auf laufenden Gesprächen zwischen Nutzern und einer künstlichen Intelligenz.
Für Franchise-Systeme, Verbundgruppen und Multi-Location-Unternehmen wirft dies eine Reihe spannender Fragen auf:
- Welche Werbeformate stehen zur Verfügung?
- Wie funktioniert das Targeting?
- Welche Kosten sind zu erwarten?
- Welche Chancen ergeben sich für lokale Marken?
- Und welche Rolle können Plattformen wie Adplorer künftig bei der Skalierung solcher Kampagnen spielen?
Basierend auf den bisherigen Erkenntnissen und Tests werfen wir einen detaillierten Blick auf die aktuelle Version des ChatGPT Ads Managers und bewerten dessen Potenzial für das lokale Marketing.
Warum ChatGPT Ads anders sind als Google Ads
Um das Potenzial von ChatGPT Ads zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Vergleich mit klassischen Suchmaschinenkampagnen.
Bei Google Ads basiert die Aussteuerung auf Suchanfragen. Nutzer geben Keywords ein und erhalten passende Anzeigen zu ihren Suchbegriffen.
ChatGPT funktioniert grundlegend anders.
Nutzer stellen keine isolierten Suchanfragen, sondern führen Gespräche. Sie beschreiben Probleme, planen Vorhaben, vergleichen Optionen oder suchen Empfehlungen. Die Nutzerintention entsteht dabei oft erst im Verlauf der Unterhaltung.
| Google Ads | ChatGPT Ads |
| Keyword-basiert | Kontext-basiert |
| Suchanfragen | Konversationen |
| Anzeigen auf Suchergebnisseiten | Anzeigen innerhalb von Chats |
| Match Types | Context Hints |
| Suchintention | Gesprächskontext |
Dadurch verschiebt sich auch die Rolle von Werbung. Unternehmen sprechen Nutzer nicht erst an, wenn diese aktiv nach einem Anbieter suchen, sondern bereits während der Informations- und Entscheidungsphase.
Gerade für lokale Anbieter eröffnet dies interessante Möglichkeiten.
Einrichtung eines ChatGPT Ads Kontos
Der Einstieg erfolgt über ein OpenAI-Konto und den ChatGPT Ads Manager.
Werbetreibende müssen zunächst ein Unternehmensprofil auf ads.openai.com anlegen. Hierzu gehören:
- Unternehmensname
- Website
- Branche
- Markenlogo
Anschließend werden grundlegende Kontoeinstellungen definiert:
- Land
- Zeitzone
- Währung
- Werbetreibenden-Typ
Diese Angaben können aktuell nach der Einrichtung nicht mehr geändert werden.
Besonders relevant für Agenturen und Franchise-Systeme ist die Tatsache, dass derzeit noch keine klassischen Agenturkonten zur Verfügung stehen. Jeder Werbetreibende muss ein eigenes Konto eröffnen und separat verifizieren.
Die Identitätsprüfung erfolgt über das System Persona. Zusätzlich müssen Zahlungsinformationen hinterlegt werden, bevor Kampagnen aktiviert werden können.
Für große Standortnetzwerke bedeutet dies aktuell einen vergleichsweise hohen administrativen Aufwand.
Welche Kampagnentypen aktuell verfügbar sind
Der ChatGPT Ads Manager befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Dennoch stehen bereits mehrere Kampagnentypen zur Verfügung.
Clicks Campaigns
Diese Kampagnen verfolgen ein klares Ziel: Website-Traffic.
Die Abrechnung erfolgt auf CPC-Basis. Kosten entstehen nur, wenn Nutzer tatsächlich mit einer Anzeige interagieren.
Für Unternehmen mit klaren Lead- oder Terminzielen stellt dies aktuell den interessantesten Kampagnentyp dar.
Reach Campaigns
Reach-Kampagnen dienen primär der Markenbekanntheit.
Die Abrechnung erfolgt auf CPM-Basis, also pro 1.000 Impressionen.
Besonders größere Marken könnten diesen Kampagnentyp nutzen, um frühzeitig Präsenz innerhalb von KI-Konversationen aufzubauen.
Product Feed Campaigns
Für E-Commerce-Unternehmen bietet OpenAI bereits Produktfeed-Kampagnen an.
Über XML- oder CSV-Dateien können Produktdaten bereitgestellt werden. Die KI erstellt daraufhin dynamisch passende Anzeigen mit:
- Produktbild
- Produktbeschreibung
- Preis
Dadurch ähnelt das Modell teilweise den bekannten Shopping-Kampagnen von Google.

Conversion-Kampagnen
Zum Zeitpunkt der Analyse sind Conversion-Kampagnen noch nicht verfügbar.

Die Plattform unterstützt jedoch bereits Conversion-Tracking, was darauf hindeutet, dass Conversion-optimierte Kampagnen zeitnah folgen dürften.

Wie das Gebotssystem funktioniert
Bei Klick-Kampagnen definieren Werbetreibende ein maximales CPC-Gebot. Dieses Gebot bestimmt den Höchstbetrag, den ein Unternehmen bereit ist, für einen Klick zu bezahlen. Interessant ist dabei die integrierte Gebotsbewertung. Die Plattform zeigt bereits während der Einrichtung an, wie wettbewerbsfähig ein Gebot eingeschätzt wird.
Erste Tests deuten darauf hin, dass die erforderlichen Einstiegsgebote aktuell höher liegen als bei vielen etablierten Werbenetzwerken. Der Grund liegt auf der Hand:
Der Werbemarkt innerhalb von KI-Systemen ist noch klein. Gleichzeitig ist die Aufmerksamkeit der Nutzer außergewöhnlich hoch.
Werbeformate: Native Werbung innerhalb von KI-Konversationen
Der größte Unterschied zu klassischen Werbeplattformen liegt in der Platzierung. Anzeigen erscheinen direkt innerhalb der Chat-Oberfläche. Dabei werden sie als gesponserte Inhalte oder visuelle Karten in den Gesprächsverlauf integriert.

Aktuell unterstützt die Plattform:
- PNG-Dateien
- JPG-Dateien

Empfohlen werden quadratische Formate ab 256 × 256 Pixeln. Videoanzeigen sind derzeit noch nicht verfügbar. Das bedeutet: Die kreative Leistung muss über starke Bilder, prägnante Überschriften und relevante Botschaften erfolgen. Gerade in einer Konversation darf Werbung nicht wie klassische Werbung wirken. Sie muss sich möglichst natürlich in den jeweiligen Kontext einfügen.
Context Hints: Das neue Keyword-Targeting?
Einer der spannendsten Aspekte von ChatGPT Ads ist das sogenannte Context Hint System. Statt Keywords zu buchen, können Werbetreibende Beschreibungen, Themen oder Beispielanfragen hinterlegen.
Beispiele könnten sein:
- Franchise Marketing
- Lokale Online-Werbung
- Multi-Location Marketing
- Standortbezogene Werbung
- Leadgenerierung für Filialbetriebe
Diese Hinweise dienen der KI als Orientierung. Wichtig ist jedoch:
Context Hints sind keine Keywords. Sie fungieren nicht als exakte Targeting-Regeln, sondern als konzeptionelle Hinweise für die KI. Die Plattform entscheidet letztlich selbst, in welchen Konversationen Anzeigen ausgespielt werden. Das bietet Chancen, reduziert aber gleichzeitig die Kontrolle für Werbetreibende.

Die größte Schwäche: Fehlende Transparenz
Genau hier liegt aktuell die größte Herausforderung. Wenn mehrere Context Hints hinterlegt werden, lässt sich nicht nachvollziehen, welcher Hinweis tatsächlich zur Performance beigetragen hat.
Beispielsweise könnte ein Werbetreibender folgende Hints verwenden:
- Franchise Marketing Software
- Lokale Werbekampagnen
- Standortmarketing
- Lead Management
- Marketing Automation
Die Plattform liefert zwar Ergebnisse, zeigt jedoch nicht, welcher einzelne Hinweis für Klicks oder Conversions verantwortlich war. Für datengetriebene Marketer ist dies problematisch.

Aktuell bleibt nur ein Weg:
Jede Hypothese muss in separaten Kampagnen oder Anzeigengruppen getestet werden. Dies erhöht den Analyseaufwand erheblich.
Conversion Tracking und Erfolgsmessung
Positiv ist, dass OpenAI bereits verschiedene Conversion-Ereignisse unterstützt.
Unternehmen können unter anderem folgende Ziele erfassen:
- Terminvereinbarungen
- Leadgenerierung
- Bestellungen
- Seitenaufrufe
Das aktuelle Conversion-Fenster beträgt 30 Tage. Perspektivisch dürfte OpenAI hier weitere Konfigurationsmöglichkeiten ergänzen. Für Franchise-Systeme entsteht dadurch die Möglichkeit, lokale Kampagnenerfolge standortbezogen zu messen und mit regionalen Umsatzdaten zu verknüpfen.
Budgetsteuerung für Multi-Location-Kampagnen
Gerade bei vielen Standorten spielt die Budgetkontrolle eine zentrale Rolle.
Der ChatGPT Ads Manager bietet aktuell zwei Modelle:
Tagesbudget
Das Tagesbudget definiert den durchschnittlichen täglichen Mitteleinsatz. Dabei gilt derzeit ein Mindestbudget von 25 US-Dollar pro Tag und Kampagne.
Gesamtbudget
Alternativ kann ein fixes Kampagnenbudget festgelegt werden. Sobald dieses erreicht wird, stoppt die Auslieferung automatisch. Für Franchisegeber bedeutet dies, dass eine flächendeckende Einführung sorgfältig kalkuliert werden muss. Bereits 100 Standorte würden bei Einzelkampagnen theoretisch ein Mindestbudget von 2.500 US-Dollar pro Tag erfordern.
Skalierung: Bulk-Uploads und Massenbearbeitung
Eine erfreuliche Ausnahme bildet die Skalierung. OpenAI hat bereits Funktionen integriert, die größere Kampagnenstrukturen unterstützen.
Dazu gehören:
- CSV-Importe
- Bulk-Uploads
- Massenbearbeitung von Kampagnen
- Massenbearbeitung von Anzeigengruppen
- Massenbearbeitung von Anzeigen
Für Franchise-Systeme mit hunderten Standorten ist dies essenziell. Ohne solche Funktionen wäre die Verwaltung kaum praktikabel.
Warum ChatGPT Ads für Franchise-Marken besonders interessant sind
Viele Marketingkanäle funktionieren hervorragend für nationale Marken. Die Herausforderung beginnt jedoch auf lokaler Ebene. Franchisegeber müssen häufig sicherstellen, dass:
- Markenrichtlinien eingehalten werden
- lokale Relevanz entsteht
- Budgets effizient eingesetzt werden
- Ergebnisse vergleichbar bleiben
ChatGPT Ads könnten genau hier eine interessante Rolle einnehmen. Durch Geo-Targeting lassen sich Anzeigen regional aussteuern. Gleichzeitig ermöglicht der Gesprächskontext eine deutlich präzisere Ansprache als klassische Display-Werbung. Ein Nutzer, der aktiv über eine Renovierung, eine Reise oder eine Kaufentscheidung spricht, befindet sich häufig näher an einer Handlung als jemand, der lediglich Inhalte konsumiert.
Praxisbeispiel: Home-Service-Franchise
Ein Hausbesitzer fragt ChatGPT:
“Meine Klimaanlage verliert Wasser und bläst warme Luft. Woran könnte das liegen?”
Die KI liefert eine Analyse möglicher Ursachen. Unmittelbar danach könnte eine Anzeige erscheinen:
“Jetzt Termin bei [Marke] in Köln vereinbaren.”
Die Anzeige wird genau in dem Moment sichtbar, in dem der Nutzer aktiv nach einer Lösung sucht. Dies entspricht einer deutlich höheren Kaufabsicht als klassische Awareness-Kampagnen.
Praxisbeispiel: Restaurantkette
Ein Nutzer plant ein Wochenende in Hamburg. ChatGPT erstellt einen Reiseplan. Innerhalb dieses Gesprächs könnte eine lokale Restaurantanzeige erscheinen. Der Nutzer entdeckt das Angebot bereits während seiner Planung.
Die Marke wird somit Teil des Entscheidungsprozesses, bevor Google Maps, Tripadvisor oder andere Plattformen überhaupt geöffnet werden.
Welche Rolle Adplorer künftig spielen könnte
Aktuell befindet sich ChatGPT Ads noch in einer frühen Entwicklungsphase. Dennoch zeigen sich bereits typische Herausforderungen, die Franchise-Systeme seit Jahren aus anderen Werbeplattformen kennen:
- viele Standorte
- unterschiedliche Budgets
- lokale Landingpages
- regionale Zielgruppen
- zentrale Markensteuerung
Genau hier entstehen die Anforderungen, die Plattformen wie Adplorer adressieren. Sobald ChatGPT Ads breiter verfügbar werden, dürfte die Nachfrage nach zentralisierten Prozessen, Automatisierung und standortübergreifender Kampagnensteuerung deutlich steigen.
Insbesondere Franchisegeber und Verbundgruppen werden nach Lösungen suchen, um hunderte lokale Kampagnen effizient zu verwalten.
Fazit
ChatGPT Ads markieren einen wichtigen Schritt in der Entwicklung digitaler Werbung. Statt Nutzer über Suchbegriffe oder Social Feeds zu erreichen, ermöglicht Conversational Advertising erstmals die Platzierung von Anzeigen direkt innerhalb laufender KI-Gespräche.
Die Plattform steht noch am Anfang. Fehlende Agenturkonten, begrenzte Transparenz beim Targeting und vergleichsweise hohe Mindestbudgets zeigen, dass noch Entwicklungsarbeit notwendig ist. Gleichzeitig entstehen bereits heute spannende Chancen für Franchise-Systeme, Multi-Location-Unternehmen und lokale Marken.
Wer frühzeitig Erfahrungen sammelt, kann wertvolle Erkenntnisse gewinnen, bevor der Wettbewerb zunimmt. Für Unternehmen, die lokale Sichtbarkeit mit zentraler Steuerung verbinden möchten, könnte ChatGPT Ads in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil des digitalen Marketing-Mix werden – ähnlich wie Google Ads und Social Advertising heute.

